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  • | Aktshooting - mehr als nur… | Kristian Liebrand

    Schwarzweiß oder Farbe in der Aktfotografie?

    Eine Frage, die sich jeder Fotografierende – nicht nur in der Aktfotografie - stellt und die Bildwirkung entscheidend beeinflusst. Was ist besser? Wie sind die Unterschiede? Auf diese Fragen gibt es keine pauschale Antworten. Es kommt immer darauf an, wie das Motiv ist, was man mit seinem Foto ausdrücken möchte und wie das persönliche Empfinden ist.



    Klassische Aktfotografien wie Bodyparts (Körperlandschaften) werden häufig schwarzweiß gehalten. Gerade bei Low-Key-Aufnahmen kommen die Kontraste durch die Reduktion besonders gut zur Geltung. Eine farbliche Darstellung würde auch nicht viel Spielraum bieten. Denn Lowkey-Aufnahmen haben in der Regel einen schwarzen Hintergrund und der Körper ist der einzige Bildbestandteil, der über Farbe verfügt. Dabei werden Teil des Körpers durch die Lichtsetzung in den Schatten gestellt, so dass hier also noch mehr Farbanteile verloren gehen. Farbe macht also in einem klassischen Low-Key-Bild nicht viel aus. Wenn das Model allerdings farbige Tätowierungen hat, dann kann die Farbe deutlich besser den Charakter hervorheben. Noch deutlicher wird es, wenn ein farbiges Bodypainting vorhanden ist. Hier wäre eine Darstellung in Schwarzweiß ein absolutes no-go. Bei monochromen Bodypaintings sollte das Foto in schwarzweiß gehalten werden, um die Bildwirkung so zu verstärken.

    Der Vollständigkeit halber erwähne ich hier noch die sogenannte „Colorkey“ Fotografie, bei dem ein Foto so bearbeitet wird, dass es schwarzweiß umgewandelt wird, wobei ein Bildelement durch Maskierung farblich gelassen wird. Dieser Effekt war vor 10 Jahren vielleicht noch ein Hingucker, aber ist mittlerweile zumindest für meinen Geschmack nicht mehr attraktiv.

    Während die Schwarzweiß-Fotografie weniger Spielraum in der Bildbearbeitung hat bietet die Ausarbeitung eines Farbbildes erheblich mehr Möglichkeiten. Denn hier kann und sollte man das ganze Farbspektrum zu einem stimmigen Gesamtbild komponieren. Einzelne Farben können selektiv angepasst werden, um so eine Farbharmonie zu erzielen.



    Farben lösen beim Betrachter mehr Emotionen aus als ein Schwarzweiß. Ein Foto kann so ganz unterschiedlich wirken. Rote Farben strahlen Wärme aus, blaue Farben Ruhe und Kühle, orange Farben Lebendigkeit usw. In der Farb-Fotografie lässt sich somit nicht nur mit den Helligkeitskontrasten arbeiten, sondern auch mit Kalt/Warm-Kontrasten. Der Bildgestalter kann sich diese Effekte zu Nutzen machen, indem er die Farben und deren Wirkungen mit der gewünschten Aussage des Bildes in Einklang bringt. Dadurch verstärkt sich die Bildwirkung und das Foto wirkt lebendiger und oft auch realistischer.



    In der Aktfotografie bieten sich Farbfotos oft dann an, wenn on-location fotografiert wird, also z.B. outdoor oder in detailreichen Indoor-Locations. Schwarzweiß-Fotos hingegen strahlen mehr Ruhe aus und eignen sich oft für minimalistische Darstellungen wie z.B. Studio-Aufnahmen mit schwarzem Hintergrund und nur einer Lichtquelle.



    Es lässt sich zusammenfassend sagen, dass es wie immer in der gestalterischen Kunst kein richtig oder falsch gibt. Wichtig ist für mich, dass man eher auf sein persönliches Empfinden achtet als auf technische „Richtlinien“. Und auch hier gilt „Probieren geht über Studieren“ und dabei mit Feingefühl an den Reglern zu drehen. Hilfreich ist es oft, dass man mehrere Versionen erstellt und diese sich am nächsten Tag noch einmal anschaut. Mit zeitlichem Abstand ist man oft sicherer in der Beurteilung, welche Version die beste Bildwirkung entfaltet.

    In diesem Sinne viel Spaß bei der Bildbearbeitung!

    Über den Autor

    Profi-Fotograf seit 2008. Nur Akt. Nur Frauen. Weltweit buchbar. 360qm Studio in Bochum, Deutschland. TFP nur in Ausnahmefällen. Bewerbungen bitte über meine Website top-aktfotos.at

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